Mysteria – Die Rente

Mysteria möchte anonym bleiben. Sie bringt bereits Erfahrung sowie erste Wettbewerbsteilnahmen mit.
Die Entscheidung für einen anonymen Künstlernamen ist bewusst gewählt: vielleicht, um Neugier zu wecken. Vielleicht auch aus dem Wunsch heraus, etwas Neues zu wagen – einen anderen Weg zu gehen.
Und vielleicht bietet die Anonymität auch die Möglichkeit, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren und dabei namentlich neutral zu bleiben.


Jeder von uns wird früher oder später mit der alles entscheidenden Frage konfrontiert: „Was bekomme ich, wenn ich in Rente gehe?“
Die Antwort auf diese Frage, dürfte jeder ab einem gewissen Alter kennen: „Du bekommst so viel, wie du im Leben verdient hast!“
Ist dem auch so? Oder ist die Antwort noch zu blumig dargestellt? Denn was kommt dabei heraus, wenn man beispielsweise zu einer Einkommensklasse gehört, die monatlich bei einem Nettoeinkommen von 1.500 Euro liegen? Wo wird man eingestuft, wenn man sich in dieser Gehaltsklasse befindet? Oben oder unten? Wen es interessiert, der kann es für sich einmal im Internet recherchieren.

Bevor wir an den wohlverdienten Ruhestand denken, den jeder von uns irgendwann einmal erreicht, muss man erst einmal mit allen alltäglichen Kostenfragen klarkommen. Schon früh lernt es sich, eine Gegenüberstellung zu machen, was am Ende übrig bleibt, wenn man die Unkosten abgezogen hat. Wer freut sich am Ende der Gegenrechnung eigentlich? Oder ist es mit einer Wildtierfütterung vergleichbar? Freut sich vielleicht am Ende der Fütterung die Hyäne, statt das gejagte Wild? Hat das Wild überhaupt Chancen, der Hyäne zu entkommen und im besten Fall nicht auf ihrem Speiseplan zu stehen?

Mal weg von dem harten Überlebensspiel der Wüste! So rau sind unsere Zeiten auch wieder nicht. Schließlich befinden wir uns in einem Sozialstaat, in dem durch Arbeit angeblich alles möglich ist. Oder? Vergleichen wir uns lieber statt mit dem Hyänenbeispiel, mit einem Bienenvolk. Das Bienenvolk ist tagtäglich damit beschäftigt, eine Bienenkönigin heranzuziehen. Ein abweichender Unterschied zu unserem demokratischen System ist, dass die Bienenkönigin keine Wahl hat, ob sie eine Alleinherrscherin werden will, oder nicht. In unserem Staatssystem entscheiden zumindest Wahlen darüber, wer an die Macht kommt. Auch ist die Last der Entscheidungsgewalten auf mehreren Schultern verteilt. Demnach haben wir als Masse etwas in der Hand, was vielleicht nicht allen immer bewusst ist, wie entscheidend dieses Mittel für die zukünftige Gestaltung politischer Themen sein kann. Vielleicht hat der eine oder die andere an dieser Stelle bereits eine Ahnung, dass ich auf die Wahlmöglichkeit hinaus will. Stellt euch nur einmal vor, wir würden diese Möglichkeit nicht nutzen? Ob wir mit dem Ergebnis zufrieden wären? So können wir wenigstens nach den ausgezählten und mitgeteilten Wahlergebnissen sagen: „Ich war an dem Ergebnis beteiligt.“

Wenn man mal einen Sprung in die Vergangenheit macht, so ist es noch gar nicht allzu lange her, dass wir das Recht zu wählen bekommen haben. Vielleicht ist es uns manchmal nur nicht ganz bewusst? Ich für meine Wenigkeit nutze jede Möglichkeit von Wahlen, um meine Kreuze zu setzen. Auch bin ich bei Wahltagen dabei, und zähle die Stimmzettel mit aus. Warum? Ich finde die Vorgänge einfach interessant. Je nachdem, wo man eingeteilt ist, trifft man auf interessante Unterhaltungen. Wohl gilt die Regel – möglichst politische Themen außen vorlassen! Als Wahlhelfer/in sollte man möglichst politisch neutral unterwegs sein!

Neutral unterwegs sein! Das würde ich auch am liebsten im Alltag. Doch mal ehrlich. Wie oft wird man im Alltag mit politischen Themeninhalten konfrontiert? Wie viele dieser Themen können verunsichern, zum Beispiel die momentanen Veränderungen der Rentenregelungen? Viele Menschen machen sich Sorgen um das Altwerden: Was ist, wenn ich im Alter nicht mehr gesund bin und den ganzen Tag daheim bin? Was, wenn man im Alter alleine ist, weil gleichaltrige Freunde oder Familienangehörige bereits verstorben sind? Wer kümmert sich um mich, wenn ich krank sein sollte? Welche Kosten kommen auf einen zu?
Wer momentan als Pflegefall in ein Altersheim kommt, der kann mit Kosten von monatlich bis zu 3.000 Euro rechnen. Stolzer Preis? Ist das überhaupt erbringbar? Was machen diejenigen, die bereits zur aktuellen Situation mit weniger Gehaltseinkommen leben müssen? Wie steht es um deren Versorgung im Alter, wenn man mal nicht mehr gesund sein sollte und Hilfe braucht?
Manchmal hat man den Eindruck, als wenn man mit diesen Sorgen alleine gelassen wird. Darüber kann es passieren, wenn die Angst zu groß wird, dass diese einen erdrückt oder gar krank machen kann. Dabei liegt es an uns selbst, ob wir solchen Ängsten Raum geben!

An dieser Stelle möchte ich von einer Mutter aus Nigeria berichten, deren Geschichte tiefen Eindruck auf mich gemacht hat. Sie ist eine christliche Mutter und lebt im Norden Nigerias, in dem überwiegend Menschen muslimischen Glaubens leben. Sie lebt im Schatten religiöser Verfolgung. Jeden Tag, wenn sie ihre Tochter zur Schule schickt, zieht sich ihr Herz vor Sorge zusammen. Eine der Schulkameradinnen ihrer Tochter wurde aus ihrer Schule in Dapchi entführt. Für uns eine unvorstellbare Situation, oder? Die Entführung der Klassenkameradin ihrer Tochter verfolgte die Mutter. Doch statt sich von ihren Ängsten vollständig unterdrücken zu lassen und ihre Tochter aus Sicherheit nicht mehr zur Schule zu schicken, machte diese Mutter das Gegenteil. Sie schickte ihre Tochter weiter zur Schule. Sie glaubte und vertraute darauf, dass ihrer Tochter nichts passieren würde. Jeden Tag betete diese Mutter um die körperliche Unversehrtheit der Tochter. Die Mutter vertraute auf die Liebe, die sie zu anderen Menschen hatte. Ich sehe diese Mutter als Vorbild.
Vielleicht fällt uns manch Entscheidung leichter, wenn man auf Vertrauen setzt? Denn wenn man sich jedes Mal mit Angst und Unsicherheit konfrontiert fühlt, sobald man zu viele negative Informationen über die Medien zu Themen wie der Rente mitbekommt, was hilft einem das entstandene Angstgefühl für die eigene jetzige Alltagssituation? Geht man dann noch positiv in den Alltag? Meine Antwort dazu lautet: „Nein!“
Eine Möglichkeit, sich negativ nicht beeinflussen zu lassen, wäre den Sender zu wechseln.

Vielleicht tut einem gerade Musik besser?
Oder eine Komödie?
Die Entscheidung, ob man sich erdrücken lässt oder stattdessen wie die Mutter aus Nigeria auf Vertrauen setzt, liegt bei jedem selbst.
Man könnte jedoch auch versuchen, die Sichtweise auf Themen zu verändern. Vielleicht erlebt man politische Debatten im Radio als Unterhaltungwert? Denn manchmal kann es heiß bei Debatten hergehen, wenn verschiedene Ansichten aufeinanderprallen. Hätten wir überhaupt Unterhaltungen, wenn wir alle dasselbe Denken würden? Könnte es nicht auch langweilig oder einspurig werden? Stellt euch mal eine Debatte vor, bei der man immer das Gleiche denken würde. Würde diese nicht ungefähr so aussehen?
„Ich bin dafür, dass wir die Rente erhöhen.“
Bei einer Einheitsmeinung, bei der alle mit JA abstimmen würden, würde die Rente direkt erhöht.
Klasse! Aber zu welchen Folgen? Wer hinterfragt, wer die Rente eigentlich finanziert? Politiker? Oder alle zusammen?

Nun das Gegenbeispiel.
„Ich bin dagegen, dass die Renten erhöht werden.“
Bei einer Einheitsmeinung mit Nein, würde die Rente nicht erhöht werden.
Fazit: Würden manche Rentner überhaupt klarkommen, wenn die Rente nicht ab und an etwas erhöht würde?

Vielleicht ist es gerade auch deshalb wichtig, verschiedene Meinungen zu haben und zulassen zu können, um etwas zu verändern? Man könnte es als Chance sehen, neue Lösungsansätze oder Wege zu finden.
Was aber, wenn der Weg in eine Einbahnstraße läuft?

Wäre es nicht sehr frustrierend, wenn man der dunklen Tatsache ins Auge sehen müsste, dass es keine Auswege aus einer Situation gibt? Ob dies bei all den Denkern, die sich in einer Masse, dem Volk, befinden, überhaupt möglich ist, dass man irgendwann zu einem Punkt kommt, an dem allgemein gar nichts mehr geht? Oder wird es immer auch diejenigen geben, die Lösungen präsentieren können – selbst in den dunkelsten Stunden! Das wäre doch ein Baustein, auf den man Vertrauen kann, dass sich unter der Masse von Leuten auch diejenigen befinden, die sich mit schwierigen Situationen, wie zum Beispiel dem Rententhema, auseinandersetzen und an Lösungen arbeiten. Denn das reelle Leben läuft anders ab, als ein Fantasyfilm, in dem Gut gegen Böse kämpft und scheinbar der gute Held in schwierigen Situationen Lösungen findet und letztlich gegen den bösen Erzfeind gewinnt. Bei solchen Filmen hat man manchmal den Eindruck, dass der Bösewicht letztlich auch Schuld an der Situation der Handlung ist. Gilt diese These generell?

Es wäre zu einfach, jedes Mal einen Sündenbock für Situationen zu suchen. Manchmal kann es sein, dass es keine einzelne Sündenbockfigur gibt. Bei der Rente liegt letztlich die Schuld doch irgendwie auch bei allen zusammen, oder? Letztlich gibt es eigentlich genug von allem. Das Hauptproblem liegt vielleicht in dem Verteilerschlüssel?
Das wäre ungefähr vergleichbar mit einem Streit um einen Lutscher. Was wäre, wenn man den Lutscher untereinander aufteilen würde, so, dass jeder etwas davon hat? Oder fängt genau da das Problem bereits an, weil die Schwierigkeit bereits damit beginnt, wem mehr zusteht? Und letztlich sind es Menschen, die über Verteilungssituationen mitentscheiden.
Manchmal versuche ich mich in solche Schwierigkeiten hineinzuversetzen, und komme oft zu der eigenen Ansicht, dass, wenn man nicht selber in der Lage ist, eine Lösung zu einem Thema beizutragen, ob man dann mit denjenigen tauschen wollte, die dies machen? Wie leicht ist es, wenn man nicht in der passiven Position ist, zu kritisieren, statt aktiv zu versuchen, ob man Situationen mitverändern kann? Kann man überhaupt als Einzelkämpfer etwas verändern? Oder wäre dies eine Massenaufgabe? Ein Grund, warum man nicht aktiv bei Lösungsfindungen dabei ist, kann ja der sein, dass es Menschen unter uns gibt, die zwar neue Lösungsideen hätten, für Situationen wie der Rente, sich aber gegebenenfalls nicht trauen, den Mund aufzumachen? Dann frage ich, was hat man eigentlich zu verlieren? – Höchstens den eigenen Renteneinsatz für das Alter.

Letztlich bleiben folgende Fragen, die sich jeder selbst beantworten kann:
Wie ist meine eigene Position zu diesem Thema?
Bin ich aktiv dabei etwas zu verändern oder bin ich passiver Zuhörer oder kritisiere ich, ohne eigene Ideen beizusteuern?

Ein Perspektivenwechsel fängt bei jedem selbst an!

Anregungsfragen:

  1. Reicht Vertrauen als Grundlage gesellschaftlicher Reformen – oder braucht es konkrete Systemänderungen?
  2. Ist die Rentenfrage ein individuelles Vorsorgeproblem oder ein kollektives Verteilungsproblem?
  3. Wie viel Einfluss hat das einzelne Wahlkreuz tatsächlich auf strukturelle Themen wie Altersarmut?
  4. Führt Angst eher zu politischer Passivität oder zu Engagement?
  5. Was wäre eine realistische, konkrete Utopie für ein gerechteres Rentensystem?

Soll der Text "Die Rente" von Mysteria Teil des Buches "630 - Stimmen der Gegenwart" werden?

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