🔥Live Ticker: Für das Projekt "630" wurden bereits 89 Exemplare gestiftet

Oliver Meiser – Der neue Pass

Oliver Meiser wurde am 18. Juli 1970 in Reutlingen (Baden-Württemberg) geboren, wo er auch die Volksschule besuchte und sein Abitur ablegte.
Von 1990 bis 1996 studierte er Geowissenschaften und Biologie an der Universität Tübingen sowie als DAAD-Stipendiat an der Universidade Federal in Rio de Janeiro. Seine Diplomarbeit widmete er der Kartierung heimischer Orchideen. Das Studium schloss er als Diplom-Geograph ab.
Seit 1997 ist er als Studienreiseleiter für Natur- und Kulturstudienreisen in Europa und Übersee für ein bekanntes Reiseunternehmen in München tätig.

Auszug seiner literarischen Auszeichnungen:

2017 – 2. Preis beim Schreibwettbewerb der Stiftung Euronatur 2017
2019 – 3. Preis beim Literaturwettbewerb zur 12. Bonner Buchmesse Migration
2019 – 1. Preis beim Schreibwettbewerb der Stiftung Euronatur 2019
2022 Preis bei der Hanns-Seidel-Stiftung beim Wettbewerb „Freundschaft“
2024 1. Preis für ein Gedicht beim Wettbewerb „Der Pavillon“ der Stadt Pfullingen
2024 1. Preis für eine Kurzgeschichte beim Wettbewerb „Visionen“ der Marktgemeinde Beratzhausen


Der Reisepass von Karl B. war abgelaufen. Karl versuchte, im Internet die Öffnungszeiten der Passstelle des Rathauses ausfindig zu machen. Er würde dann dort hingehen und einen neuen beantragen. So hatte er es das letzte Mal auch gehandhabt. Unter der Rubrik Reisepässe stieß er jetzt jedoch auf folgenden Hinweis:
Achtung! Reisepässe sind ab sofort ausschließlich bei der Neuen Automobil-AG zu beantragen; Link untenstehend.
Karl gab sich damit nicht so einfach zufrieden. Er wollte nun wissen, weshalb er nicht wie eh und je einen Pass beim Rathaus beantragen konnte. Daher schrieb er über das Kontaktformular der Gemeinde-Homepage eine Nachricht an das Rathaus. Wenige Minuten später erhielt er bereits die Antwort:
Für detailliertere Fragestellungen nutzen Sie bitte das Bürgertelefon, jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr!

Als Karl drei Tage später dort anrief, teilte man ihm mit, dass für sämtliche Bürgerbelange tatsächlich nur noch die Neue Automobil-AG zuständig sei. Das Bürgertelefon würde daher in vier Wochen eingestellt, erklärte der Bürgerberater. Karl solle sich daher an den auf der Gemeinde-Homepage aufgeführten Link wenden. Alles andere laufe dann fast wie bisher.
Auf Karls Frage, weshalb das so sei, antwortete der Bürgerberater:
„Die Neue Automobil-AG regiert doch jetzt und hat alle Gemeindeverwaltungen der Region übernommen.“
„Die Neue Automobil-AG regiert?“
Karl schüttelte ungläubig den Kopf.
„Sie hören wohl keine Nachrichten?“, meinte der Bürgerberater.
Nun, Karl hatte in letzter Zeit wirklich wenig Nachrichten verfolgt, weil er das Gefühl hatte, dass diese mit der fortschreitenden Digitalisierung immer mehr und öfter Fake waren. Früher hatte Karl sehr gerne Tageszeitungen gelesen, doch gedruckte Nachrichten gab es seit einigen Jahren überhaupt nicht mehr!
„Also, ich jedenfalls habe die nicht gewählt und ich kann mich auch an keine Wahl erinnern, bei der die Neue Automobil-AG sich um einen Regierungsauftrag beworben hätte …“, sagte Karl.
„Ich gebe zu: Man hat diesen Regierungswechsel – und wie es dazu kam – nicht an die große Glocke gehängt. Aber wenn wir ehrlich sind: War es denn im Grunde nicht schon immer die Neue Automobil-AG, die unsere Region oder eigentlich sogar ganz Deutschland regiert hat?“, meinte der Bürgerberater und erklärte: „Die in den jeweiligen Regionen stärksten Unternehmen managen jetzt halt auch die Amtsangelegenheiten der Bürger – und sie tun das vielleicht besser als wir bisher auf den Rathäusern. Das bedeutet konkret: Bei uns in der Region ist das als Hauptarbeitgeber die Neue Automobil-AG, in München die SuperMicrochip GmbH und in Hamburg die Global Shipping & Logistics Limited.“
Karl bekam ein mulmiges Gefühl.
„Aber, der Staat? Wo ist denn jetzt der Staat?“, wollte er entsetzt wissen.
„Staat?“ Der Bürgerberater lachte ironisch. „Mein Lieber, der ist de facto abgeschafft! Papiere sämtlicher Art werden jedenfalls ab sofort nur noch bei der Neuen Automobil-AG ausgestellt!“, erklärte er.
Karl rief die Seite der Neuen Automobil-AG auf und fand dort auch sofort den Button Bürgerbelange mit dem Untermenü Pass beantragen. Karl arbeitete sich durch die auszufüllenden Felder. Auf einmal erschien das Feld Lebenslauf. Musste er das wirklich ausfüllen? Das ging die – nun, eine Behörde war es ja nicht mehr! – doch wirklich nichts an! Schließlich wollte Karl doch nur einen neuen Pass beantragen. Er versuchte, einfach weiterzuschalten, ohne das Feld auszufüllen, doch sogleich öffnete sich ein Fenster mit dem Hinweis:
Bitte füllen Sie alle Felder aus! Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Karl sah frustriert, dass das Feld Lebenslauf und überhaupt fast alle anderen mit einem * versehen waren. Karl musste seine Schulzeiten eingeben und wo er von wann bis wann gearbeitet hatte. Er gab die Zeiten ein und wollte wieder weiterschalten. Da erschien die Meldung:
Das System hat Lücken in ihrem Lebenslauf festgestellt. Bitte füllen Sie den Lebenslauf ohne Lücken aus!
Karl überlegte. Nach seinem Schulabschluss hatte er für sein gutes Zeugnis von seinem Großvater ein Round-the-world-Ticket geschenkt bekommen, zuvor noch etwas gejobbt und war dann fast ein Jahr mit dem Rucksack auf Weltreise gegangen, ehe er dann bei seinem ersten Arbeitgeber, dem Gärtnerei- und Floristikbetrieb Blühparadies, angefangen hatte.
Karl setzte den Arbeitsbeginn beim Blühparadies nun einfach auf den Tag nach seinem Schulabschluss. Doch beim Versuch des Weiterschaltens öffnete sich erneut ein Fenster:
Ihre Angaben stimmen nicht mit der uns vorliegenden Personen-Datenbank überein. Bitte vereinbaren Sie über den untenstehenden Link einen Termin mit ihrem persönlichen Berater!
Karl atmete zunächst auf. Irgendwo hingehen und mit jemandem sprechen, das war doch sympathischer als dieses Herumgepupse im Internet. Karl klickte auf den Link und bekam sogleich drei freie Termine vorgeschlagen, doch an allen musste Karl arbeiten. Schließlich war Frühling und in der Gärtnerei Hochsaison. Und nur für die Beantragung eines Reisepasses wollte Karl keinen Urlaubstag opfern. Termine, die im nächsten Monat passend frei waren, wären zu spät. Karl brauchte den Pass schneller, denn er wollte sich für eine günstige Studienreise nach Kuba anmelden. Er klickte auf abbrechen und suchte nach irgendeiner Telefonnummer. Er fand sie am Ende der Seite, wo stand:
Nutzen Sie auch unsere 24 h-Servicenummer.
Karl wählte. Eine Stimme begrüßte ihn freundlich:
Guten Tag! Hier ist VAnDA – die Virtuelle Angestellte für Deine Angelegenheiten! Wir machen darauf aufmerksam, dass wir zu Zwecken des Qualitäts-Managements dieses Gespräch aufzeichnen.
… Wollen Sie ein Auto kaufen oder sich über unsere neuesten Modelle informieren? – Drücken Sie die Eins! … Möchten Sie sich auf eine Stelle bewerben? – Dann wählen Sie die Zwei!
… Sind sie Mitarbeiter unseres Konzerns? – Wählen sie die Drei.
… Für weitere Belange und Bürger-Verwaltungs-Angelegenheiten – Wählen Sie die Vier!

Karl drückte die Vier und quälte sich mit Ja- und Nein-Antworten durch ein langes Menü.
Als Karl endlich am Menüpunkt persönlichen Termin vereinbaren angelangt war, sagte VAnDA: „
Wir haben in diesem Monat drei Termine zur Auswahl: Antworten sie jeweils mit Ja oder Nein!“

Karl bemerkte, dass es natürlich genau dieselben Terimine waren, die er bereits auf dem Laptop vorgeschlagen bekommen hatte.
„Ich kann bei allen drei Terminen nicht und brauche dringend einen neuen Pass!“, schimpfte er schließlich entnervt ins Telefon.
Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht verstanden!, antwortete VAnDA gleichförmig.
Wütend legte Karl auf. Er würde nun einfach ohne Termin zur Neuen Automobil-AG gehen.

Am folgenden Tag verließ Karl seine Arbeit bereits am Mittag. Obwohl bei den Gartenarbeiten Hochsaison war, hatte der Chef Karl erlaubt, einige Überstunden abzubauen. Karl musste, weil er vor ein paar Jahren sein Auto angeschafft hatte, von der Kleinstadt mit dem Zug in die Bezirkshauptstadt fahren und, da die Neue Automobil-AG am Rande der Bezirkshauptstadt lag, außerdem noch mit U-Bahn, S-Bahn und Bus verkehren – insgesamt dreimal umsteigen. Karl fuhr schwarz, weil er die vielen Fahrkarten-Apps nicht kapierte. Endlich stand er vor dem Eingang der Neuen Automobil-AG. Sein Herz schlug heftig, denn Karl hatte Angst, dass er nur hineinkam, wenn er eine Einladung mit Strichcode oder eine App auf dem Handy präsentieren konnte. Doch als Karl ratlos vor dem Tor stand, kam ein älterer Herr aus seinem Kabäuschen:
„Kann ich Ihnen helfen? Wohin möchten Sie denn?“
Karl fragte nach dem Bürgerbüro.
„Da haben Sie Glück, dass ich noch da bin! Zum Sommer höre ich hier auf, und dann funktioniert der Einlass tatsächlich nur noch mit Strichcode!“, sagte der Pförtner und wies Karl den Weg.

Die Bürger-Sachbearbeiterin hatte kurzgeschorene dunkelrote Haare und Piercings in Nasenflügeln und Unterlippe:
„Ihren Termincode!“, forderte sie Karl grußlos auf.
„Ich bin einfach so gekommen. Sie hatten über ihre Homepage und Service-Nummer nur drei Termine zur Auswahl, an denen ich nicht freinehmen konnte.“
„Sie haben Glück, dass jemand abgesagt hat!“, antwortete die Sachbearbeiterin irritierend kühl. „Worum geht es?“
„Mein Reisepass ist abgelaufen. Ich brauche einen Neuen“, erklärte Karl.

Die Sachbearbeiterin tippte an ihrem PC herum, und ging, wie Karl es bereits selbst schon versucht hatte, einen Menüpunkt nach dem anderen durch. Dann waren sie wieder beim Lebenslauf angelangt.
„Was war denn da von 2005 bis 2006?“, fragte sie, als es um die Lücken ging.
„Da habe ich eine Weltreise gemacht, mit dem Rucksack.“
„Sowas konnte ich mir nach der Schule nicht leisten!“, gab die Sachbearbeiterin feindselig zurück.
„Ich muss mich aber jetzt auch nicht dafür entschuldigen!?“, meinte Karl angespannt.
Die Sachbearbeiterin nahm das Telefon und wählte:
„Hallo Babsi, ich bin’s, Kyra vom Bürgertelefon … Wegen Eingaben bei Lebensläufen. Ich hab‘ da jemanden mit Lücken. Der hat da eine Weltreise gemacht. Welcher Code ist das? … 703? Danke!“
Die Sachbearbeiterin tippte und schaute dabei säuerlich. Dies war die Stelle, an der Karl daheim alleine nicht weitergekommen war. Die junge Dame fragte nun noch alles Mögliche. Unter anderem: „Haben Sie einen Wagen der Neuen Automobil-AG? Und wenn ja, welchen? Und wie alt?“
Karl gab an, dass er seit Jahren kein Auto mehr besaß.
„Jetzt sind wir gleich fertig“, sagte die Sachbearbeiterin nun etwas freundlicher. „Wir müssen nur noch ein Foto von ihnen machen, sowie Fingerabdruck und Augen einscannen. Wenn Sie dann noch auf diesem Pad hier unterschreiben, hätten wir’s, und Sie bekommen, da Sie nicht um die Ecke wohnen, Ihren neuen Pass in etwa einer Woche als Einschreiben zugeschickt.“
„Er gilt ja sicher, wie gehabt, für alle Länder?“, wollte Karl noch wissen, und es war gut, dass er dies gefragt hatte.
„Wohin wollen Sie reisen?“, fragte Kyra.
„Ich möchte demnächst eine Gruppenreise nach Kuba buchen“, erklärte Karl.
Kyra schüttelte bedauernd den Kopf:
„Das geht mit dem Neuen leider nicht. Sie haben kein Abitur. Für Kuba ist Ihr Pass daher nicht freigeschaltet. Aufgrund des Fehlens einer höheren Bildung gehen wir davon aus, dass Sie nicht in der Lage sind, die komplexe Geschichte dieses Landes zu verstehen.“
Karl hatte das Gefühl, dass sie ihre Schadenfreude nur schwer verbergen konnte.
„Wie bitte?“, rief er empört.
„Vermutlich haben Sie das noch nicht mitbekommen, weil Sie Ihren letzten Pass vor zehn Jahren beantragt haben, aber seit die Neue Automobil-AG die Bürger verwaltet, sind die Pässe an ein Punktesystem angeschlossen. Je nach Verhalten und Lebensstil sammeln oder verlieren Sie Punkte. Dementsprechend stehen Ihnen dann mehr oder weniger Länder offen“, erklärte Kyra.
„Aber ich möchte doch eine Studienreise buchen, gerade weil ich immer schon mehr über die Geschichte von Kuba wissen wollte!“, entrüstete sich Karl.
„Es ist ja …“, fuhr Kyra fort, „… nicht nur Ihr fehlender Gymnasial-Abschluss: Wie ich abrufen konnte, haben Sie in den letzten Jahren vorerst ihr CO²-Guthaben aufgebraucht. Im vergangenen Jahr waren Sie in Marokko, und im vorletzten sogar in Peru! Daher stehen Ihnen in der nächsten Zeit nur die direkten Nachbarländer offen. Falls Sie aber eines unserer neuesten E-Autos kaufen, sammeln Sie Punkte und erweitern ihren Reisebereich wieder. Ebenso, wenn Sie aktives Mitglied in einer Natur- oder Umweltschutzorganisation sind. Auch Sprachenlernen zahlt sich aus. Falls Sie etwa Spanischkenntnisse nachweisen würden, bekämen Sie vielleicht trotz fehlenden Abiturs eine Zulassung für Kuba – oder Sie hätten zumindest eine geringere Wartezeit.“
„Das ist ja das allerletzte!“, brüllte Karl jetzt aufgebracht und er war entsetzt, was man alles über ihn wusste. „… Das ist doch nicht mehr demokratisch! Ich lebe in einem freien Land und bin es gewohnt, dass ich mit meinem Pass reisen darf, wohin ich will!“, schimpfte er und dabei dachte er darüber nach, ob es ein Land in der herkömmlichen Form überhaupt noch gab.
„Beruhigen Sie sich! Ich habe die Regeln ja nicht gemacht. Vergessen Sie auch nicht, dass Sie jetzt in keinem Land mehr leben, sondern in Wirtschaftszonen – in diesem Fall in der Wirtschaftszone der Neuen Automobil-AG.
Und, finden Sie es eigentlich demokratisch, wenn Sie mit Langstreckenflügen das Weltklima belasten und Menschen – etwa in der Wirtschaftszonen Bangladesch – durch ihren Reise-Egoismus massiv schädigen?“, gab Kyra zu bedenken.
„Wieso aber bekomme ich dann Punkte für den Kauf eines neuen E-Autos und nicht dafür, dass ich seit Jahren gar kein Auto mehr habe? Dafür dürfte ich doch dann wenigstens einmal im Jahr fliegen können, wohin ich will!“, empörte sich Karl.
„Da könnte man, wenn man wollte, noch viel diskutieren. Ich jedenfalls habe die Regeln nicht geschaffen. Aber auch die Wirtschaft muss ja allem Klima- und Umweltschutz zum Trotz noch irgendwie am Laufen gehalten werden! Übrigens: Wenn Sie das nächste Mal einen Pass beantragen, das heißt spätestens in zehn Jahren wieder, werden Sie vermutlich schon eine Bürgerdaten-Kapsel eingeimpft bekommen. Das funktioniert dann im Prinzip ähnlich wie bei einem Chip für Haustiere, nur dass da eben viel mehr Daten drauf sind“, sagte Kyra sehr offen.
Karl dachte an seine Landschildkröte, die vom Tierarzt einen solchen Chip eingepflanzt bekommen hatte.
„Wohin darf ich denn jetzt eigentlich konkret reisen mit meinem neuen Pass?“, fragte Karl nun nach einer Weile des Schweigens frustriert.
„Das wird die KI entscheiden, nachdem Sie eine umfassende Analyse ihres Lebens durchgeführt hat. Dazu werden auch Daten von ihrer Bank, Krankenversicherung, Ihrem Vermieter und vieles mehr ausgewertet. Näheres erfahren Sie, wenn Sie ihren Pass erhalten. Dann gehen Sie auf unsere Homepage, geben die Nummer ein und das Programm sagt Ihnen genau ihr Punktekonto, für welche Länder Sie freigeschaltet sind, und was Sie tun können, wenn Sie Ihren Reise-Radius erweitern wollen. Übrigens: Ein heißer Tipp ist die medizinische Schiene. Wer ein breites Spektrum von Schutzimpfungen vorweisen kann, sammelt ebenfalls Punkte und kann für viele Reiseziele früher freigeschaltet werden. Ebenso ist es, wenn Sie nicht rauchen, was vor allem für eine Gruppenreise viele Punkte bringt … So, jetzt entschuldigen Sie mich aber. Der nächste Kunde kommt schon gleich.“

Karl erhob sich, und es kam ihm vor, als ob er sich in einem bösen Traum befand. Er wusste nicht, was er noch sagen sollte. So entschwand er genauso grußlos, wie Kyra ihn empfangen hatte.
Als Karl daheim seinen Laptop einschaltete, poppte ein Werbefenster auf:
SmartCurriculum GmbH. Zeugnisse, Nachweise zu Umweltvereinigungs-Mitgliedschaften oder E-Auto-Kaufbelege benötigt?
Anerkennungsecht, ganz legal und diskret.
Erfolg garantiert!
Ab nur € 499,–.
– Achtung: Dieses unschlagbare Angebot gilt nur noch heute! Jetzt sofort anmelden! –

Karl seufzte tief und dachte an seine Kindheit ohne Internet – als die Welt zwar nicht smart, aber die Menschen dafür frei gewesen war.

Anregungsfragen:

  1. Wie realistisch ist eine Entwicklung, in der Konzerne staatliche Kernaufgaben übernehmen?
  2. Wo verläuft die Grenze zwischen Klimaschutz, Verhaltenslenkung und Freiheitsbeschränkung?
  3. Welche Gefahren birgt ein gesellschaftliches Punktesystem für Demokratie und Gleichheit?
  4. Wer kontrolliert Algorithmen, wenn sie über Mobilität, Teilhabe und Rechte entscheiden?
  5. Ist „Optimierung“ der Bürger eine Form von Fortschritt – oder der Beginn neuer Abhängigkeiten?

Soll der Text "Der neue Paß" von Oliver Meiser Teil des Buches "630 - Stimmen der Gegenwart" werden?

Wird geladen ... Wird geladen ...

Hinweis: Nach der Abstimmung wird dieser Text als bereits bewertet markiert.

Unterstützen Sie auch unser Ziel, das Buch in den Deutschen Bundestag zu bringen:

error: Der Inhalt ist geschützt!