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Maxim Haider – Ich habe einen Traum

Maxim Haider, geboren 07.01.1988 in Würzburg, Autor und Kulturschaffender, Psychologischer Berater & Lerntrainer, meine bisherigen Veröffentlichungen im Selbstverlag (Rectum Verlag): „Woyzeck der Zweite“, „Heul doch oder hol deine Pillen“, meine Website: https://www.maxim-haider.de


„Der Teufel steckt im Detail“, sagt ein Sprichwort. Ich beginne bewusst mit diesem Satz aus dem Volksmund. Denn Politikverdrossenheit bedeutet nicht nur, dass das Volk Gleichgültigkeit gegenüber der Politik entwickelt. Sie bedeutet auch das Gegenteil: dass die Politik nicht mehr auf das Volk hört. Die Schmerzen hinter der Politikverdrossenheit entstehen nicht aus den großen globalen Themen. Sie entstehen aus unzähligen kleinen Details. Genau dort steckt der Teufel. Viele Menschen erwarten inzwischen, dass ein Politiker ins Mikrofon sagt: „Irgendwelche Volksweisheiten sind nicht der Maßstab unserer Politik.“ Wenn das Volk also etwas sagt, soll man es nicht ernst nehmen? Warum eigentlich? Weil alles so hervorragend funktioniert, dass Kritik von „unten“ nur stört?
Mittlerweile kenne ich allerdings niemanden mehr, der glaubt, dass bei uns in Deutschland „alles gut“ ist. Ich kenne auch niemanden mehr – egal ob systemtreu oder kritisch –, der überzeugt ist, dass irgendeine Politik das noch retten könnte. Stattdessen fiebern viele Menschen dem Untergang der Gesellschaft entgegen. Ist das nicht traurig? Unter der Hand werden bereits Lösungen für politische Probleme vorgeschlagen, die man öffentlich kaum aussprechen darf. Ist das nicht beängstigend? Ich träume von einer besseren Lösung.

Ich habe einen Traum: dass wir gemeinsam ein neues, gutes System für uns alle erschaffen.
Es wird behauptet, unser politisches System sei gut. Aber ist es das wirklich? Alle vier Jahre ein Kreuz zu machen – damit die Politik anschließend ihre Versprechen bricht und sich vier Jahre lang kaum dafür interessiert, was wir wollen? Das soll Demokratie sein? Wenn Wahlversprechen ohnehin nicht eingehalten werden, weil später andere Themen plötzlich wichtiger erscheinen, warum wählen wir dann überhaupt auf der Grundlage dieser Versprechen? Das ergibt doch keinen Sinn. Die Welt dreht sich zu schnell für unser träges politisches System. Wie können wir sicherstellen, dass auch bei späteren Entscheidungen der Bürgerwille berücksichtigt wird? Und warum werden so wenige Themen behandelt, die die Menschen tatsächlich bewegen? Warum nennen wir es Demokratie, wenn das Volk gar nicht herrscht? Und wenn man als Bürger damit unzufrieden ist, bleibt oft nur, auf der Straße zu protestieren oder viele Stunden in eine Petition zu investieren – um anschließend vielleicht noch als Spinner abgestempelt zu werden. Das soll unsere Demokratie sein?

Ich habe einen Traum: von einer Demokratie, in der wir bei jeder wichtigen Entscheidung mitbestimmen können. Immer heißt es, das sei nicht machbar. Wann fangen wir endlich an zu überlegen, wie es machbar werden könnte?

Ich habe einen Traum, dass wir gemeinsam ein neues System erschaffen.
In unserer Verfassung heißt es, die Medien hätten einen Bildungsauftrag. Doch diesem Auftrag werden sie häufig nicht gerecht. Stattdessen wird vieles verdreht, verkürzt oder vereinfacht dargestellt. Ich träume davon, dass Medien die Wahrheit verbreiten. Dass sie offen aussprechen, was die Menschen wirklich bewegt. Nicht als aufbereitetes Unterhaltungsprodukt oder als glattgeschliffene Information, sondern als echtes, unbearbeitetes Fenster in unsere Gesellschaft. Ich träume davon, dass Medien für die Menschen arbeiten – als Sprachrohr, das zeigt, was uns wichtig ist, woran wir arbeiten und wo Hilfe gebraucht wird. Als Organisations- und Kommunikationskanal unserer Gesellschaft.

Ich habe einen Traum: dass jeder Mensch, der etwas wissen möchte, sich barrierefrei und transparent informieren kann.
Dass Diskussionen tiefer gehen als nur „dafür“ oder „dagegen“. Dass Bevormundung und Manipulation in den Medien ein Ende finden. Viele Lügen und Täuschungen werden niemals zugegeben oder korrigiert. Viele Menschen sagen bereits, niemand könne noch wissen, was wirklich wahr ist. Mit Künstlicher Intelligenz wird dieses Problem nicht kleiner. Tatsächlich beschreibt die Psychologie genau dieses Phänomen als typische Wirkung von Propaganda. Die mediale Infrastruktur existiert bereits. Aber klare Gesetze oder gemeinsame Prinzipien von Ehre und Verantwortung – darüber, was Medien dürfen und was sie müssen – haben wir als Souverän noch nicht gemeinsam festgelegt. Ich träume davon, dass wir als Gesellschaft genau das tun.

Ich habe einen Traum: dass wir gemeinsam ein neues gutes System erschaffen.
Es wird oft von einem „Wir“ gesprochen. Doch dieses „Wir“ existiert kaum noch. Die Gesellschaft zerfällt in Lager, die sich gegenseitig radikalisieren. Eine Kultur, die echte Toleranz, Offenheit und Neutralität lebt, ist selten geworden. Stattdessen wird alles, was unbequem ist oder einen emotionalen und kritischen Blick auf eine Sache wirft, schnell als Störung behandelt, die beseitigt werden soll. Es wird Kulturkampf betrieben. Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven werden in „für uns“ oder „gegen uns“ eingeteilt. Berechtigte Einwände werden beiseitegewischt oder als Fehlinformation abgestempelt. Das ist keine Gemeinschaft. Das ist ein Kolosseum.
Ich träume davon, dass wir nicht gegeneinander kämpfen, damit am Ende der Stärkere über den anderen siegt. Niemand hat immer recht. Aber niemand liegt auch in allem falsch. Jede Position enthält einen Blickwinkel, aus dem sich etwas Wertvolles lernen lässt. Eine Position zu bewerten bedeutet nicht, sie als gut oder schlecht zu etikettieren. Es bedeutet zu verstehen, welche sinnvollen Ansätze sich darin verbergen. Ich träume von einer Demokratie, in der wir alle Positionen anhören und aus ihren besten Aspekten eine gemeinsame Lösung entwickeln. Parteien sollten dabei Orientierung bieten – nicht als Lager oder Kompanieführer auftreten. Ich träume davon, dass wir uns wieder daran erinnern, was echte Demokratie bedeutet. Und was Politik eigentlich sein sollte. Republik heißt „die gemeinsame Sache“. Doch diese gemeinsame Sache scheint verloren gegangen zu sein. Stattdessen gibt es Interessengruppen und Machtspiele – und viele Menschen, die sich danach richten müssen oder an den Rand gedrängt werden. Wir nennen uns Bundesrepublik. Doch wo ist der Bund? Wo ist die gemeinsame Sache? Sie sollte existieren.

Ich habe einen Traum: von einer Gesellschaft, in der Kritik erwünscht ist und Ideen nicht sofort abgetan werden, sondern ausprobiert werden dürfen.
Neue Ideen scheitern häufig an Bürokratie oder an dem berühmten Satz: „Wenn das jeder machen würde …“ Dabei fehlt oft der Blick auf den Einzelfall – auf Menschen, die unter den bestehenden Regeln leiden.
Ein Beispiel: Ein Mensch verdient als Solo-Selbstständiger 800 Euro netto im Monat und kann davon leben. Steuerlich wird er entlastet. Doch die Krankenversicherung verlangt über 280 Euro monatlich. Dann hört dieser Mensch Sätze wie: „Geben Sie Ihre Selbstständigkeit auf und lassen Sie sich anstellen“ oder „Beantragen Sie Bürgergeld.“ Oder: „Teilzeit-Lifestyle gibt es nicht.“ Wie passt das zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung? Solche Fälle gibt es tausendfach. Doch geholfen wird selten. Es wirkt fast so, als wäre Freiheit gar nicht erwünscht – sondern nur Anpassung. Die Politik wirkt oft wie eine Bankrotterklärung an die Freiheit. Dabei sollte sie die Freiheit des Volkes sichern.
Es ist außerdem ein Schlag ins Gesicht, dass Gespräche über eine bessere Welt so schnell als „Utopien“ abgetan werden. Viel zu oft wird nur darüber gesprochen, warum etwas nicht funktionieren kann. Die Diskussion muss sich ändern. Die entscheidende Frage lautet: Wie können wir diese neue Welt erschaffen? Zu oft wird diese Frage mit einem pessimistischen Menschenbild beantwortet. Als wäre Zusammenarbeit grundsätzlich unmöglich. Haben wir wirklich so wenig Hoffnung in unsere Gemeinschaft? Viele würden sofort sagen: Eine solche Gemeinschaft kann es nicht geben. Dann suchen sie Schuldige – und bekämpfen sie. Ich träume davon, dass wir von einer Verhinderer-Gesellschaft zu einer Ermöglicher-Gemeinschaft werden. Ich träume davon, dass wir die Balance finden: zwischen dem Schutz der Natur und der Schwachen – und der Förderung sinnvoller Projekte, die auf unseren gemeinsamen Grundwerten aufbauen.

Ich habe einen Traum: dass Vertrauen wieder ein Grundwert unserer Gesellschaft wird.
Manche sagen: Wenn man den Institutionen seines eigenen Landes nicht mehr vertrauen kann – worauf dann noch? Doch vielerorts herrscht inzwischen eher die Überzeugung, dass diese Institutionen erlahmt sind und zuverlässig Dinge tun, die unserem Nachteil dienen. Das ist bezeichnend für eine Kultur, in der Wort, Name und Ehre kaum noch Bedeutung haben. Dann heißt es nur noch: „So ist das eben.“ Das ist nichts anderes als Fatalismus. Der bittere Humor einer untergehenden Kultur. Ein Warten auf das Ende der Welt. Kein Wunder also, dass viele Menschen eine große Katastrophe erwarten. Denn in einem Punkt scheinen sich viele einig zu sein: Es wird immer schlimmer. Ich träume von einer Gesellschaft, in der Menschen sich wieder auf den nächsten Tag freuen. In der sie erwarten, dass es Schritt für Schritt besser wird.
Es wirkt oft so, als wüssten viele Verantwortliche nicht einmal mehr, was Verantwortung bedeutet. Ich träume von einer Gesellschaft, in der wir stolz auf Verantwortung sind. Denn häufig sind es gerade die kleinen Details – dort, wo der Teufel steckt –, die in Politik und Medien kaum Beachtung finden. Wer hört hin, wenn einer alten Frau geraten wird, ihre Medikamente zu wechseln, weil „Business“? Wenn Nebenwirkungen auftreten und der Arzt nicht einmal vom Bildschirm aufblickt – wegen „Digitalisierung“? Ein Politiker wird darauf vielleicht antworten: „Was ein einzelner Arzt irgendwo tut, dafür kann ich doch nicht verantwortlich sein.“ Natürlich nicht. Aber darum ging es auch nie.
Es ging darum, dass ein Problem angesprochen wurde – und nicht einmal eine Idee zur Lösung kam. Kein Vorschlag. Kein Ansatz. Es sind die kleinen Probleme, die Details, die dunklen Ecken des Teufels, die gar nicht erst in die öffentliche Diskussion gelangen. Stattdessen führen wir Ablenkungsdebatten. Ich habe einen Traum: dass wir als Gesellschaft unsere vielen Probleme gezielt angehen.

Ich habe einen Traum: dass Politik und Volk wieder miteinander kommunizieren.
Wer sich einmal die Bundespressekonferenz anschaut –
eine ohnehin distanzierte Form der Kommunikation –,
stellt schnell fest: Kaum eine Frage wird einfach beantwortet. Stattdessen wird ausgewichen, relativiert oder gemauert. Dieses Verhalten findet sich fast überall. Wenn schon der Dialog nicht funktioniert – wie kann man dann von Volksvertretung sprechen? Von Aufrichtigkeit? Von Verantwortung? Schluss mit den Ausreden.
Manche Politiker möchten nicht mit Problemen belästigt werden. Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Lösung: Verantwortung wieder dorthin zurückzugeben, wo sie hingehört – zu den Menschen vor Ort.
Alles nur Träumerei?
Ich träume von einer Gesellschaft, in der es sich lohnt zu träumen. In der Träumer von besseren Tagen als Visionäre und Wegweiser gesehen werden. Wir brauchen ein neues politisches System. Wären Sie gerne Teil davon? Oder nennen Sie das „Umsturzfantasien“? Ich nenne es Fortschritts- und Verbesserungsfantasien. Wenn Grundrechte zugunsten von Profitinteressen verändert werden und uns gleichzeitig gesagt wird, wir sollten trotzdem Vertrauen haben – was sollen wir davon halten? Ist der Glaube an eine bessere Welt wirklich Wahnsinn? Oder ist er der Motor jeder Veränderung?

Ich habe einen Traum.
Wovon träumen Sie?

Anregungsfragen:

  1. Wo endet berechtigte Systemkritik – und wo beginnt demokratiegefährdende Pauschalisierung?
  2. Ist direkte Mitbestimmung bei „jeder Entscheidung“ realistisch – oder würde sie neue Probleme erzeugen?
  3. Entsteht Politikverdrossenheit tatsächlich aus „kleinen Details“ – oder aus großen strukturellen Entwicklungen?
  4. Welche Rolle spielen Medien beim Vertrauensverlust – und wo beginnt Eigenverantwortung der Bürger?
  5. Ist Hoffnung in politischen Krisenzeiten naiv – oder die wichtigste demokratische Ressource?

Soll der Text "Ich habe einen Traum" von Maxim Haider Teil des Buches "630 - Stimmen der Gegenwart" werden?

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