
Christian Porteño, Jahrgang 82, ist Psychologe und Deutschlehrer und in seiner Freizeit angehender Schriftsteller. Nach seinem Studium arbeitete er mehrere Jahre in einer Klinik, bevor er sich selbstständig machte. Er arbeitet und behandelt in seiner eigenen Praxis und gibt zusätzlich Deutschunterricht für Fremdsprachler. Seine Passion gilt allgemein der Literatur und dem Schreiben im speziellen. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.
Hab‘ ich letztens so
an Deutschland gedacht,
mein Herz brannte lichterloh,
in schwerer, dunkler Nacht.
Politik und Wirtschaft vereint
in unheiliger Allianz,
verabredet zu Krisentreffen
bei Spiel, Trunk und Tanz.
Scheinbar nur 89 geeint,
immer mehr gespalten erscheint
dies Volk, vor dem Rest der Welt,
welches in Doppelmoral verfällt.
Was hätten doch die Poeten
erträumt, für ihre Heimat,
würden sie`s jetzt betreten,
wären sie wie versteinert.
Das Land der Dichter und Denker
wurde zu seinem eigenen Henker,
hatte es doch vor der übrigen Welt,
sein wahres Licht unter den Scheffel gestellt.
Wollten doch Goethe und Schiller schon,
die Koryphäen dieser Nation
für ihr Land etwas Besseres,
doch gesichts- und charakterlos wurde es.
Sobald Halbwahrheiten werden ausgesprochen
über Inflation, Kunst und Kultur,
politische Versprechen dauernd gebrochen,
herrscht große Empörung nur.
Sooft Ungerechtigkeit dem Einzelnen widerfährt
wegen unmoralischer Taten,
dagegen wird sich nicht gewehrt,
sondern nur lange genug darüber beraten.
Wenn klassische Medien unbewusst bewogen,
veröffentlichte Meinungen platzieren,
gegenseitig ihren Wertekompass loben,
kann Öffentlichkeit nur verlieren.
Fassungslosigkeit wird täglich gezeigt
über den Wahnsinn im Lande.
Einzugestehen ist man bereit:
Hier kommt gar nichts zustande.
Im Innern und Äußern der Grenzen,
mit unserem Geld wird gebürgt,
ohne Stimme bleibt der Einzelne –
hat sein Recht verwirkt.
So sitzt es zwischen den Stühlen,
beraubt seiner Identität,
immer mehr in die Mühlen
von Ost und West gerät.
Ahnen schon, konnte man‘s zu Beginn,
doch man ließ sich nicht beirren,
ohne Herz, Verstand noch Sinn
kann Politik sich nur verirren.
Bedeutende Köpfe hatten schon
vorgetragen, ihre friedliche Vision
über ein Land ohne geopolitische Macht,
dass im europäischen Verbund stehend,
sich zwischen Ost und West bewegend,
nicht kriegstreibend sollte gedacht,
sondern wirkend als kultureller Pol –
Blüten treibend fürs Weltenwohl.
Nur wenn es sich trennt
von den transatlantischen Qualen,
wenn es eigenständig brennt
für Erneuerung im Sozialen,
dann erfährt es tiefe Beglückung,
eine heilsame Entwicklung
dieses Land, in der Gleichheit und Humanität
an erster Stelle der Menschen steht.
Doch zu lange schon gärt und rumort
es im deutschen Volke unscheinbar,
der Unmut setzt sich fort,
steigert sich von Jahr zu Jahr.
Veränderung sollte geschehen bald
um einzudämmen aufkommende Gewalt.
Schlecht ist‘s bestellt,
mit dem allgemeinen Befinden,
falls Misstrauen die Oberhand behält,
könnten destruktive Parolen erklingen.
Emotionen mit dunklen Trieben vermischt,
dort schäumt sie auf, die üble Gischt.
Sie verschlingt alles und jeden,
hat‘s in der Geschichte öfters gegeben.
Denn jeder ruft und schreit,
ist schon zu kämpfen bereit,
gegen die Schrecken der Zeit –
für seine eigene ideologische Wahrheit.
Und kämen Extremisten nach oben,
da wo Instinkte und Leidenschaften toben,
würden sich destruktive Energien entladen
und in der geistlosen Menge baden.
Mit einer aggressiven Wucht
werden Schuldige gesucht,
emotional unreflektiert,
immer neue Ängste geschürt.
Aus falschen Weltanschauungen verworren,
wird ein braunes Gesöff gegoren,
von Propheten und Parteien,
um Brüder und Schwester zu entzweien.
Bringen sie einmal Leute in Rage,
siedet der Bevölkerung Wut,
wird es schwierig mit Zivilcourage,
schwindet des Einzelnen Mut.
Noch ist Zeit genügend,
dass der Wind sich dreht,
reicht euch die Hände liebend,
dass es Hoffnung in die Herzen trägt.
Denn der deutsche Geist
wurde nicht hineingestellt,
umsonst in das Herz der Welt.
Mit sozialen Impulsen weist
er einen brüderlichen Weg,
wo Menschlichkeit an erster Stelle steht.
Sie schlummert diese Kraft
tief im Menschen verborgen,
die die heute Chaos schafft,
vollbringt schon Wunder morgen.
Und die einzige Parole
wird ertönen zur richtigen Zeit:
Leute reicht euch die Hände
in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!
Freiheit findet ihren Platz dort,
wo Menschsein trifft auf inspiriertes Wort.
Auf Hochschulen und Universitäten,
in freier Diskussion und gelebter Toleranz,
ein Miteinander-Streiten im rhetorischen Tanz
wirkt befruchtend auf enge Realitäten.
Forschende leiden heutzutage unter Zwängen,
von denen sie leider abhängen,
knirschend akzeptieren sie Faktoren,
der vermeintlichen Gönner und Sponsoren.
Kann Wirtschaft frei herumbefehlen,
ungeniert über Wissenschaft,
ihre eigenen Hypothesen selbst erwählen,
kommt Geistesleben in Einzelhaft.
Man sollte doch Freiheit im Geiste
dem freien Markt entgegensetzen
und Unabhängigkeit gegen dreiste
Vereinnahmung verankern in Gesetzen.
Gleichheit schafft Ökonomie
aus absoluter Freiheit nie.
Da braucht es Brüderlichkeit im Bunde,
damit wir nicht gehen zu Grunde.
Die seelenlosen Räder der Finanzgewalten,
sie drehen und drehen nach alten
Weisen, gespeist aus Ego und Macht,
während der kalte Mammon aus den Herzen Vieler lacht.
Sie können Rechte einfach kaufen,
die großen Konzerne und Unternehmen,
mit viel Geld Gesetze ersaufen
und sich im Rechten wähnen.
Gerichtsprozesse in die Länge zieh‘n
mit langem Atem und noch mehr Geduld,
brauchen sich kaum abzumüh‘n,
Reichtum bewahrt vor begangener Schuld.
Der Balken Justicias falle,
gleiches Recht gilt für alle.
Gleichheit überall und vor Gericht
ist, was dem modernen Menschen entspricht.
Leider gibt es zu viel Verstrickung
zwischen Kapital und Politik.
Dies mündet in Unterdrückung,
hemmt des Menschen Geschick.
Veränderung wollen die Leute,
Veränderung wird gescheh‘n,
gebt es ihnen heute,
wonach sie sich sehn‘.
Freiheit wollen sie erfahren,
ihr eigenes Leben bestimmen,
nicht auf Schablonen starren,
ihren Handlungsspielraum wiedergewinnen.
Der Wandel will in Hände,
in fleißige genommen werden.
Großes bringt die Wende,
Geläutertes sprießt aus Erden!
Zerreißen sollen korrupte Fäden,
über Jahrzehnte heimlich gesponnen,
ein übertrieben reiches Leben
mit geheimen Absprachen gewonnen.
Bürger schließen sich in treuem Bunde
feste Bande zur Menschheitsmorgenstunde.
Geistige Erneuerung wird hervorbrechen,
anschwellen zu hoffnungsvoll reißenden Bächen.
Aufbruch zu neuen Wegen
auf unbekannten Straßen,
sichert unser aller Überleben
schreit es durch Dörfer und Gassen.
Diese soziale Bewegung fällt da auf fruchtbaren Boden,
wo werden die 3 Säulen in Harmonie gewoben
und reift zur produktiven Kraft,
wenn Geistiges liebevoll im Menschen schafft.
So werden einst die Menschen gegenseitig bejahen,
wie war das noch vor etlichen Jahren?
Als der soziale Organismus zu sprießen begann
und befreiend ein neuer Impuls in das Volke drang.
Da endlich fanden menschliche Bedürfnisse Berücksichtigung.
Da endlich feierten Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst Vermählung!
Anregungsfragen:
- Wo endet berechtigte Politikverdrossenheit – und wo beginnt pauschale Systemkritik, die selbst demo-kratische Prozesse schwächt?
- Wie realistisch ist die Vorstellung einer klaren Trennung von Politik, Wirtschaft und Geistesleben in modernen Gesellschaften?
- Sind „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ heute noch tragfähige Leitmotive – und wie würden sie konkret umgesetzt?
- Wie kann man gesellschaftlichen Unmut konstruktiv kanalisieren, bevor er in extremistische Strömungen kippt?
- Welche Rolle spielen Hochschulen, Wissenschaft und Kultur tatsächlich für gesellschaftliche Erneuerung – und wo sind ihre Grenzen?
Hinweis: Nach der Abstimmung wird dieser Text als bereits bewertet markiert.
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